Stille
Stille. Ich sehe ihn, doch belauschen lässt er sich nicht. Schon gar nicht, wenn er sanft zu Boden fällt. Er bettet sich, doch Kissen und Decke ist er selbst. Weich ist er, er gibt nach, wenn ich ihn berühre. Er antwortet mir mit leisem Knirschen. Und lässt mich sein Werk bewundern.
Wie er einen tristen Tag in eine magische Nacht verwandelt. Wie die Hast des Tages der Ruhe der Dunkelheit weicht. Wie das nebelige Grau verschwindet. Wie Laternen wie beste Freunde Seite an Seite ihm helfen und Straßen und Häuserfassaden golden erstrahlen lassen. Er beruhigt mich, während ich ihn beobachte. Und ich scheine nicht alleine mit diesem Gefühl.
Stille. Selbst die wenigen Autos zu später Stunde scheinen ihrem Lärm beraubt. Ihre Reifen gleiten ehrfürchtig sachte über ihn hinweg. Sie vermeiden hektische Bewegungen, wollen den Frieden nicht stören. Auch die Kälte hält respektvoll Abstand, verkriecht sich zwischen den Häusern statt unter meiner Jacke. Kein Wind. Fußspuren als einziges Lebenszeichen. Gemahlt in einen weißen Teppich. In den Schnee. In die Stille.
© MLM 2010
